Balkangrooves im Anmarsch

“Während schon seit Längerem sogenannte Worldmusik-DJs auf den Balkanzug aufsteigen, haben nun auch hippe Electro-Produzenten die Balkan-Energie und den anarchistischen Ost-Spaß für sich entdeckt”, heißt es in dem PR-Text für die Compilation Balkangrooves, die Anfang Februar in den Handel kommt und bei Eastblock Music erscheint. Dieser “Crossover an allen Fronten”, diese Vermischung der Genres und Subgenres (von der recht häufig ekeligen VerMashung sehe ich ab ;-) und die Stilmischungen quer durch den Garten sind seit langem zu beobachten, das macht vor dem originären Sound der Balkanmusik nicht halt, zumal ihre “Verviertelung” geradezu dazu auffordert (Mein ältester Housetrack mit Balkananleihen erschien 2006, heißt passend Arab to Balkan – auf Total Vibes Records – und wurde von Damir Pushkar aka Dampa aus Kroatien produziert). Der neue Sampler Balkangrooves macht derweil meine Hoffnung groß, dass ein paar frische Tracks zu bekommen sind, da immerhin neun unveröffentlichte Songs auf Balkangrooves zu finden sind. Die vertretenen Künstler lassen Gutes ahnen. Mit von der Party ist übrigens auch Basadub, das Dortmunder Trio um Saletico, DJ Badre von Globalibre und DJ Rexnon. Einen gratulierenden DJ-Gruss in den Ruhrpott Ost!


Disco im Drüb in der Karnevalszeit

Am 13. Februar 2010 ist es wieder soweit, DJR wird eine weitere bewährte Tanznacht im Drübbelken von Recklinghausen bis in den frühen Morgen gestalten. Guter Pop und Rock aus vier Jahrzehnten werden mit Balkanbeats und Latin, Soul und Funk, House und Electropop für unwiderstehlichen Tanzdruck sorgen. Es beginnt um 22 Uhr, die Groovegebühr beträgt wie immer 5 Euro.


Soulfulness with Flat Fleet Floogie

Als Selecter DJR aka Abwechslung nun ein Set, dass nur so sprüht vor unmittelbarer Lebensfreude. Flat Fleet Floogie heißt das Mixtape aus der Hüfte und folgt damit dem Einstiegsswing von Slim & Slam, die 1938 mit “Flat Fleet Floogie with a Floy Floy” einen Hit feierten – wer den Song hört, weiss warum. In der Folge heizen dann fröhlich die Kolo Novo Movie Band mit “Bolujem Ja” und Rupa & The April Fishes mit “Por La Frontera” ein (Rupa und ihre Band gastieren am 25. Januar 2010 in Bochum, ich freue mich drauf). Und wenn dann Costi Ionita ein “Ca La Amsterdam” feiert (auf dem Sampler I Love Balkan Music) und Antonio Da Costa den Druck mit “Parranda” an den Hüften erhöht, geht alles, nur nicht ruhig sitzen bleiben. Da passt die Flamencofreude von Los Reyes, die eine “Gypsy Rhumba” hinlegen, die direkt ins Herz geht, während die arabeske Kühle von Naked Rhythm und dem Song “Sisha” uns wieder etwas herunterholt. Entsprechend loungiger fährt DJ Disse mit dem “Taxi To War”, gefolgt von einem balkanesken Rap des Nomad Soundsystems feat. MC Shufferah und Rotfront, die eine Stadt feiern, in der die Häuser die Berge und das Meer die Spree sind. So, ich muss jetzt an eine andere Front, die komplette Tracklist findet ihr auf Fairtilizer.


Balkan House mit Basti Grub und DJ W!LD

Holla, was haben die Techno- und Housebarden Basti Grub aus Hessen und DJ W!LD aus Paris denn da Schönes aus ihren Maschinen gezaubert! Balkan 2 heißt der 12-Minuten-Track schlicht und zog mich sofort in seinen ryhtmischen Balkan-House-Bann. Ein toller Partyeinstieg zum Warmmachen.


Kolo Novo Movie Band

Viele Überraschungen bot mir die aktuelle DJ Soko Compilation BalkanBeats – A Night In Berlin nicht, dafür bin ich ein zu fleissiger Sammler (mittlerweile könnte ich um die 9 Stunden bewusst ausgewählten Balkangroove und Gypsyswing auflegen, he he ;-). Aber der Song Bolujem Ja von der Kolo Novo Movie Band aus Cape Town in South Africa ist ein echtes Balkanperlchen, wie mir jetzt erst aufgefallen ist. Da dringt schwungvolle balkanische Wehmut gekreuzt mit Afro-Gesang direkt ins emphatische Herz vor, das gleich – unersättlich wie es ist, mehr verlangt.
 


Rupa & The April Fishes mit Este Mundo

Als letztens der Gärtner der Lüste bei mir war und das neue Album von Rupa & The April Fishes namens “Este Mundo” auf meinem Schreibtisch sah, sagte er, was ich grad dachte: “Die is wirklich klasse, die kann man so durchhören!” Und so ist es auch, ein rundum gelungenes zweites Album zwischen feinem Gypsy Swing, Ska, Reggae und einem Hauch Cumbia, in Tonlagen zwischen Sehnsucht und Lebensfreude, Mitgefühl und “Schwärmerei” für Pablo Neruda.

“Die singende Ärztin” und Songschreiberin Rupa Marya, die mich das erste Mal Anfang des Jahres mit Une Américaine À Paris begeisterte, hat indische Wurzeln und ist in Kalifornien und Südfrankreich aufgewachsen. Aufgrund ihres Aussehens bekam sie früh zu spüren, was Ausgrenzung bedeutet. Das schärfte wohl ihren Gerechtigkeitssinn und ihre Empathie für die Menschen, die flüchten müssen und sozial benachteiligt sind. So arbeitet sie neben ihrem Musikerleben als Ärztin in der Notaufnahme für “legale und illegale MigrantInnen” am San Francisco General Hospital und beschreibt in ihren Texten die Flüchtlingsdramen an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Stellvertretend sei dafür der Song “Por La Frontera” genannt, den Rupa laut Pressemitteilung auf dem Highway 101 nach Tijuna geschrieben habe, “wo sie mit Tagelöhnern, Feldarbeitern und Busfahrern ins Gespräch kam”.

Rupa and the April Fishes - Este Mundo

Aber auch die große Liebe, Dichtung und Natur als Trost und Verheißung werden besungen und in einem stilbewanderten Musikkosmos entfaltet. Mit großen Worten ausgedrückt, wird auf Este Mundo “ein polyglottes Spektakel zwischen Gypsy Flair, Latin Moods und östlicher Philosophie gefeiert”, letzteres als Anspielung auf den Song “L’Eléphant”, darin der heilige Dickhäuter durch den Dschungel trabt und alles zerstört, um “den Blick auf die Wahrheit freizulegen”.

Bleibt die Frage, was es mit den “April Fishes” auf sich hat. So wird nicht nur die erstklassige und aus verschiedensten Musikzusammenhängen kommende Band benannt, sondern auch der Fisch, der ahnungslosen Menschen am 1. April in Frankreich auf den Rücken geklebt wird. Das gilt als Pedant unseres April-Scherzes, geht aber auf jenen Konflikt aus dem Jahre 1564 zurück, als König Charles IX den heidnischen durch den römischen Kalender ersetzen wollte. Renitente Untertanen aber wollten den 1. April als Neujahrsfest behalten. Und das Symbol des neuen Jahres war der Fisch, entsprechend definieren sich die April Fishes in Anlehnung an dieses Ereignis als Menschen mit eigenen Köpfen: “Sie bestanden auf Ihre eigene Realität und nicht auf die, die von oben aufoktroyiert wird!” Da sind wir durchaus verwandt. ;)

Rupa and the April Fishes

Dass die schöne Frau und ihre erstklassige Band derweil auch auf der Bühne überzeugen, zeigt das folgende Video. Das soll Euch daran erinnert, dass Rupa und ihre April Fishes im Januar 2010 durch Europa touren und hierzulande in München, Darmstadt, Bochum, Berlin und Hamburg zu erleben sind. In Bochum, genau am 25. Januar im Bahnhof Langendreer, werde ich dabei sein und neben dem Genuss der musikalischen Energie schwarzweisse Fotos für meine Musikergalerie machen.
 

 
Und wer nun den April Fishes und seinen liebsten Musikfreunden ein hochwertiges Geschenk machen möchte, besorge dieses schöne Album doch einfach zu Weihnachten. Wenn das kein Tipp in vorletzter Minute ist, weiss ich auch nicht! ;-)


Der Bakshish Brass BalkanBeats Express

Bakshish Brass Band (veranstalten BalkanKlezmerTantzGetümmel) on the road mit dem BalkanBeats Express Berlin. Da geht der Doppeldecker ab! Kann so ein lebensfroher Zug nicht auch einmal durch die Ruhrpottprovinz fetzen, ich würde auch ne großzügige Runde schmeissen. ;-)
 


Aural Exciters: Spooks In Space

Gerade über die Kollegen von Globalibre die Site RCRD LBL entdeckt, ein Netzwerk aus Online-Labels und Blogs. Und dort gefiel mir Spooks In Space (Luke Howard & Felix Dickinson Filthy & Foolish Edit) von den Aural Exciters auf Anhieb. Der Track fängt harmlos an, offenbart dann aber tanztaugliches und gewitzes Balkanfeeling mit schrägen collagenartigen Einlagen. Yeppa!


Fetzige Balkanbeats in der Halle Kalk

War das eine feine Balkanbeatnacht in der Halle Kalk in Köln. Nach dem Theaterstück Transit blieben und fanden sich um die 50 zum großen Teil sehr junge Gäste ein und tanzten auf Balkanbeats, Russendisco und Mestizo. Je fetziger und schneller, desto lustvoller wurde getanzt. Auch einige Mitarbeiter der Halle vom Schauspiel Köln waren trotz der Überstunden begeistert, wie mir das Feedback zwischendurch nahelegte. Und so ging auch manche Visitenkarte weg. Besonders schön war es zum Ende hin, da gab mir eine Eingebung einen flotten Gypsy-Swing ein, nämlich Minor Swing (To Django) von Children of the Revolution und siehe da, ich traf gesteigerte Tanzlust auf den Punkt und fast alle Gäste swingten das Foyer. Ein schönes DJ-Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde.

Zum Anfang der Party habe ich ein kurzes Video gemacht. Der Song, der dort rockt, kommt von Kiril feat. MC Wasp & Rucl und heißt Jungle Shadow, zu finden auf der Balkanbeats 3.
 

Mein DJ-Setup mit Pioneer-Equipment und Traktor Scratch Duo. CDs mit 24 Tagen Musik habe ich übriges immer dabei, so kann mir ein Ausfall des Rechners nicht viel anhaben. ;-)


DJR mit Balkanbeats in Köln

Manche unerwarteten Aufträge, die sich über das Internet ergeben, sind besonders schön. So werde ich am kommenden Samstag in der Halle Kalk in Köln nach dem Schauspiel Transit von István Tasnádi einen ganzen Abend vielseitige Balkanbeats auflegen. Ich bin gespannt! – Update: Siehe meinen kurzen Bericht mit Video: Fetzige Balkanbeats in der Halle Kalk


Blog of Ethno Gypsy Balkan music

Gerade auf der HipShakeNight in den Kommentaren entdeckt: DJ Mishto stellt dort sein neues Blog für Balkanbreaks, Gypsy-Sounds und Ethnomucke vor. Rromix heißt das Blog und ich erwarte den einen oder anderen heißtanzwütigen Tipp in der Art wie Mahala Rai Banda new release. ;)

rromix


Disco im Drüb am 3. Oktober

Am 3.10.2009 werde ich Pop und Rock aus vier Jahrzehnten mit Balkanbeats, Soul, Nu Funk und elektronisch gepushte Breakbeats mixem, dass es ein Tanzelixier werde. ;) Ort: Drübbelken Recklinghausen. Beginn: 22 Uhr. Groovegebühr: 5 Euro.

Disco im Drüb am 3.10.2009


Ne Runde Balkanbanging?

Stark nachgefragt zur Zeit: “anleitung tanzen zu balkan beat” oder so ähnlich. Was is denn los, will da wer was anderes wagen als Mainstream, ne Runde Balkanbanging, gar hier im Dorf Ruhrpott oder was? *g*


B-Style aus dem Heimatland

Berlin-Bekennersongs haben wohl grad Hochkonjunktur, was mich nicht davon abhält, den Rotfront-Song B-Style richtig gut zu finden. Reggaedruck mit Klezmer-Klarinette und einem flotten Rap auf Balkanpop-Klängen, das kommt auch auf der Tanzfläche auf Anhieb gut an. B-Style ist nun nicht der einzige tanzverdächtige Song des seit 2003 bestehenden Emigrantski Raggamuffin Kollektivs. Auf der aktuellen CD Emigrantski Raggamuffin weiss Rotfront auch den Deichkind-Knaller Remmidemmi lustig zu covern und ist darüberhinaus eine höchst partytaugliche Kapelle, wie das folgende Video zeigt.


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